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In diesem Blog dokumentiere ich den Erkenntnisweg meiner langjährigen Forschung um das Phänomen charakteristisch menschlicher Verstand rekonstruktiv. Warum?
Als Anthropologin fühle ich mich in der naturwissenschaftlichen Forschungskultur so zu Hause wie in der geisteswissenschaftlichen. Ökologisch gesehen verstehe ich uns als erste und bisher einzige Spezies staatenbildender Primaten, was ich darauf zurückführe, wie charakteristisch menschlicher Verstand funktioniert.
Als Mensch unter aktuell mehr als acht Milliarden will ich nicht ignorieren, dass die inzwischen erkannte Anthropozänlage die Lebensbedingungen vieler von uns zunehmend schnell verschlechtert. Ich meine, um seine eigenen Möglichkeiten optimal einschätzen und entsprechend richtig handeln zu können, sollte jeder Mensch auf bestmöglich realistisch belastbare Steuerungsinformationen zurückgreifen können.
Nicht dass wir Organismen sind, verursachte das Anthropozän, sondern charakteristisch menschlicher Verstand. Ich denke, die globale Gesellschaft würde von einer dynamisch dem Stand der Wissenschaft angepassten Theorie von Mensch profitieren, die nicht unterschlägt, dass wir unter physikalischen Bedingungen leben. Deshalb möchte ich dazu beitragen die wissenschaftskulturellen Differenzen, die Anthropologie jetzt noch in zwei Lager spalten, aufmerksam für die sachlichen Gründe der Spaltung gemeinsam respektvoll zu überwinden.
Zur Politikerin fühle ich mich nicht berufen, aber als überzeugte Demokratin hierzu politisch zu äußern gefordert: Ich denke, wir brauchen eine aus allen Wissenschaften dynamisch zu pflegende Global Theory of Human Mind, um dem immensen Bedarf nach valider Steuerungsinformation entgegenzukommen.
Obwohl die Komplexität der Sachlage keine sichere Schlussfolgerung darüber zulässt, hoffe ich, dass die enorme mentale Spannweite, die unsere Spezies durch evolutionären Erfolg in die bekannte Notlage brachte, uns helfen wird, uns wieder daraus zu befreien. Je mehr realistisch Belastbares wir über menschlichen Verstand lernen, desto hilfreicher können wir ihn gemeinsam einsetzen – davon gehe ich optimistisch aus.
Historie dieses Blogs
Am 19. April 2018 eröffnete ich den Blog Johannas disziplinlose Wissenschaft.

In den schrieb ich kurze, anthropologisch disziplinlose Überlegungen. Das schlief bald wieder ein. Es brachte mich charakteristisch menschlichen Verstand betreffend kaum weiter.
Am 3. Mai 2023 beschloss ich, unsicher, wie es weitergehen sollte, eine Auszeit für Johanna. Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob ich ihre Rolle noch kultivieren will. Und falls ja: mit welchem Profil? Mein Blog sah nun so aus:

Heute kommt der Blog unter meinem Klarnamen zurück. Hier auf’s Nötigste reduziert seine Historie zu dokumentieren hilft mir nicht zu vergessen, wie signifikant leichter ich als Johanna beginnen konnte so offen disziplinär ungebunden zu denken, wie ich es noch immer für nötig halte.
Die Briefe
2019 - Warum, lieber Talcott, hast du Kultur und Soziales getrennt?
2019: Ein Brief an den Sozialtheoretiker Talcott Parsons (1902-1979)
Zu diesem Brief motivierte mich die (im Brief nicht behandelte) Frage, warum die Forschungsfelder Kulturwissenschaft und Makrosoziologie so weit auseinander liegen wie das durchschnittliche Ansehen von Kunst einerseits und Sozialhilfe andererseits in der Gesellschaft.
Die Methode, an mich anthropologisch interessierende Theoretiker Briefe zu formulieren, in denen ich mich intensiv mit einigen von deren Überlegungen befasse, verwende ich seit 2019. Damals schrieb ich für das Fach Religionswissenschaft zum Abschluss eines Seminars Funktion der Religion den Essay Ein Brief Talcott Parsons.[1] Im Brief erkläre ich Parsons mein Verständnis sowohl von konkreten Kulturen als auch des Phänomens Kultur, das aus ökologisch-anthropologischer Sicht natürlich evolviert sein muss.
Zum Brief an Talcott Parsons als Text und als Audio
[1] Den Brief habe ich zur besseren Sprechbarkeit und allgemeinen Verständlichkeit gegenüber der als Studienarbeit eingereichten Version vorsichtig überarbeitet, ohne inhaltliche Aussagen zu ändern.
2024 - Wie funktioniert menschliches Denken?
Ein Brief an den Erkenntnistheoretiker Carl Stumpf (1848 – 1936)
Dem heute nahezu unbekannten philosophisch und experimentell arbeitenden Psychologen und Musikwissenschaftler Carl Stumpf schrieb ich 2024 anlässlich der 11. Jahrestagung der Carl-Stumpf-Gesellschaft.[1] Im Formulieren dieses Briefs begriff ich a) mein anthropologisches primäres Forschungsobjekt trennscharf als das natürlich evolvierte Phänomen charakteristisch menschlicher Verstand. Und b) wurde mir schlagartig klar, dass ich (im Fall unserer Spezies selbstverständlich anthropomorphes) animistisches Simulieren für den Kopierprozess kultureller Evolution halte. Erfinden wir in diesem Prozess virtuelle Instanzen? Als wären es Jemande?
Würden dich, wenn du sein Buch Erkenntnislehre in die Finger bekämst, die philosophisch konsequenten natur- wie geisteswissenschaftlich fundierten Überlegungen von Carl Stumpf – eines Lehrers von Edmund Husserl – genauso beeindrucken wie mich? Verstündest du danach auch, warum ausgerechnet ein Physiker – Max Planck – die erkenntnistheoretische Arbeit eines experimentell arbeitenden Psychologen so beeindruckte, dass er auf’s unbedingte Publizieren dieser Arbeit drängte?
Zum Brief an Carl Stumpf als Text und als Audio
[1] Die Mitglieder der CSG (zu denen seit Mai 2025 auch ich gehöre) arbeiten daran, Carl Stumpfs umfangreiches Werk zu erschlieβen.
2026 - Wie kooperieren Psyche und charakteristisch menschlicher Verstand?
Ein Brief an den Psychotheoretiker Sigmund Freud (1856 – 1939)
Sigmund Freud entwickelte ein mit ökologischer Anthropologie voll kompatibles Standardmodell von Psyche in ihrer kulturellen Umwelt. Erstaunt dich so sehr wie mich, wie aufgeschlossen er sowohl dem Gendergedanken als auch natürlich produzierten chemischen Substanzen zur Milderung psychischen Leids war?
Obwohl Freud überwiegend philosophisch arbeitete, bezeichne ich ihn als Psychotheoretiker, weil er deutlich mehr tat, als Thesen zu diskutieren. Sein populäres Funktionsmodell von Psyche aus drei sich im Zweifelsfall nicht einigen virtuellen Instanzen Es, Ich und Über-Ich entwarf er nachweislich auf Basis sowohl kultureller als auch biologischer Voraussetzungen.
Um die Dynamik unserer Spezies im Ökosystem Erde besser verstehen zu lernen, ging ich in diesem Brief einen systemischen Zusammenhang von charakteristisch menschlichem Verstand und Psyche an, den ich für gegeben halte. Indem ich meinen chronologisch vertikalen Abstand zu den Zeitgenossen Freud (1856 bis 1939) und Stumpf (1848 – 1936) nutzte, konnte ich beide Phänomene in einem Fokus halten und die historische Distanz zum heutigen allgemeinen Erkenntnisstand überblicken.
Zum Brief an Sigmund Freud als Text und als Audio
Seit 2020: Forschungsbericht an den Sozialtheoretiker Max Weber (1856 – 1939)
Mit dem komplexesten meiner Briefprojekte, einem Forschungsbericht aus «meinem» Anthropozän in «seine» Moderne, teste und analysiere ich Webers Methode Idealtypenformulierung nach dem Muster experimenteller Archäologie. Entsprechend einem spontanen Einfall in einer dokumentierten Situation formuliere ich den Idealtypus Aufklärer.
Bei diesem Projekt ziehe ich via 10 wichtiger Teilaspekte jedes Forschungsprozesses Rückschlüsse auf das Phänomen Theoriebildung und -formulierung als einer wesentlichen Kompetenz charakteristisch menschlichen Verstands. Die Briefe werden in numerischer Reihenfolge jeweils nach Fertigstellung erscheinen. Hier seht ihr Konzept und Titelstruktur des Berichts aus der Metaperspektive (mit Zoom auf Brief 2).

Im Einleitungsbrief erkläre ich Weber, warum ich ihm aus «meinem» Anthropozän in «seine» Moderne schreibe und biete ihm Ausblick auf die kommenden neun Briefe. Findet ihr die Frage ebenso spannend wie ich, ob Demokratie wegen unserer mentalen Spannweite die artgerechteste unter den bisher bekannten Regierungsformen sein könnte? Weil sich ja Selberdenken nicht abstellen lassen dürfte?