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Quellenform Feldexperiment
Von 2012 bis 2019 absolvierte ich an der Universität Zürich zwei Studiengänge an zwei Fakultäten: Populäre Kulturen (eine spezifische Variante von Kulturanthropologie) an der philosophischen und Religionswissenschaft an der theologischen.
Daraus wurde ungeplant auch eine Forschung über meine schwierige Lage als ökologisch-anthropologisch orientierte Studentin in diesem kulturrelativistisch dominierten Feld: In nahezu jeder Studienarbeit argumentierte ich für die Nützlichkeit der Theorie Kulturelle Evolution und ökologisch strikt verstandener Systemtheorie. Auch innerhalb kultur- und sozialwissenschaftlicher Forschung.
Im Rahmen des Weberprojekts bestimmte ich diese Arbeiten als einen Analysekorpus, deklarierte sie in Feldexperimente um und werte sie und wie Lehrende auf sie reagierten aus. Mit manchen dieser Experimente lassen sich signifikante Abschnitte meines Forschungswegs dokumentieren, und einige darunter mache ich hier im Sinne von open data zugänglich.
Aufschlussreiche Experimente
Zwei Experimente machen die Wahl Webers als Adressat in Sachen Sozialtheorie plausibel: die Essays Wer konstruiert Bastelexistenzen wie? (2016) und Warum funktionieren Idealtypen? (2018).
2016 Wer konstruiert Bastelexistenzen wie?
An Weber adressiert führe ich eine Idealtypenformulierung im Sinne experimenteller Archäologie durch, weil ich noch besser verstehen möchte, wie charakteristisch menschlicher Verstand funktioniert. Aus Sicht dieses Motivs verstehe ich das Feldexperiment als implizit geleistete Vorarbeit.
Anlass dafür war, dass mir in einem zurückliegenden Studienmodul der Umgang mit dem Begriff Sinn im Text Bastelexistenz – Über subjektive Konsequenzen der Individualisierung von Roland Hitzler und Anne Honer inflationär erschien.
Trotzdem feiere ich die im Text formulierte idealtypische Theorie! Weil der Fall meines eigenen Erkenntnis-, Forschungs- und Qualifikationswegs sie bestätigt: Tatsächlich bastle ich implizit wie explizit täglich daran, individuell erfreulich und moralisch vertretbar zu leben. Dass ich dabei auch konstruiere, steht – auf einem anderen Blatt – außer Frage.
Der Originaltitel der Studienarbeit lautet Wer konstruiert – religiöse? –- Bastelexistenzen wie? Der Typus Bastelexistenz aus systemevolutionärer Perspektive und mögliche Forschungskonsequenzen.
2018 Warum funktionieren Idealtypen?
Die in diesem Feldexperiment behandelte Frage belegt, dass mich 2018 das Phänomen menschliches Verstehen schon relativ deutlich anzog; den Begriff charakteristisch menschlicher Verstand verwendete ich damals aber noch nicht.
Rückblickend ginge die Studienarbeit Warum funktionieren Idealtypen? Versuch und Reflexion über Webers religiöse Idealtypen problemlos als Vorstudie zu meinem Forschungsbericht durch – hätte ich 2018 schon gewusst, dass ich 2019 beginnen würde, ihn zu schreiben.
Diese scheinbare Teleologie erkläre ich mir kompatibel mit dem neurokognitionswissenschaftlichen Wissensstand damit, dass mein Wahrnehmungssystem im Defaultmodus unbewusst routinierten Arbeitens implizit fokussiert seine Umwelt laufend auf alles scannt, was mich zutiefst interessiert. Dabei integriert es – noch immer innerhalb unbewusster Stadien von Informationsverarbeitung – eben auch alle Fundstücke zum Thema charakteristisch menschlicher Verstand, die einzuordnen keine energetisch teuren, expliziten Entscheidungen fordert. Herauszufinden wie entsprechende Prozesse genau funktionieren, wird Forschende sicher noch viel Arbeit kosten.