Forschungsweg

Über zwei Koordinaten sicher orientierter Forschungsweg

Nach 13 Jahren anthropologisch motivierter Forschung gelang es mir 2025 endlich spontan, mein primäres Forschungsobjekt mit „charakteristisch menschlicher Verstand“ so trennscharf zu benennen wie 2021 meine Erkenntnistheorie: „Ökologische Anthropologie“, zu der ich seit 2023 ohne zu wackeln stehe. Damit schloss sich ein Kreis: Der zeitliche Ablauf meines Forschungs- und Erkenntniswegs erklärt ja dessen Logik nicht.

Doch retrospektiv zeigt sich eine zusammenhängende, über zwei Koordinaten sicher orientierte Forschung: Koordinate 1 bedeutet, verstanden zu haben, erkenntnistheoretisch immer sicher metaorientiert gewesen zu sein; Koordinate 2, dass ich mein nun explizites Faszinosum bei jeder Gelegenheit implizit fokussiert haben muss. Erst Metaperspektive und Forschungsobjekt scharf herausformuliert zu haben, macht meinen Forschungweg als ein System rational kommunizierbar.

Mein anfangs ungeplanter Weg begann 2012 mit ungewöhnlichen Studienarbeiten, die ich in einem kulturrelativistisch dominierten sozialwissenschaftlichen Studium der Hauptfächer Kulturanthropologie (philosophische Fakultät) und Religionswissenschaft (theologische Fakultät) an der Universität Zürich schrieb. Ungewöhnlich deshalb, weil ich in nahezu jeder Arbeit bewusst eine Grenze zwischen der geistes- und der naturwissenschaftlichen Tradition zu forschen überschritt.

Seit ich 2013 als Studienmodul eine autoethnografische Schreibwerkstatt absolvierte, fundierte ich meine Studienarbeiten analytisch autoethnografisch und schrieb 2015 im Fach Kulturanthropologie die Bachelorarbeit „Eine Studienreise in Populäre Kulturen“. Nach Abschluss beider Fächer setzte ich meine anthropologische Forschung bruchlos fort – nur formuliere ich nun, statt Studienarbeiten an die Fächer Briefe an historische Humantheoretiker.

Chronologie und Stellenwert der Briefprojekte im Rahmen meiner Forschung

Am komplexesten Projekt feile ich seit 2020 und erhielt 2022 vom Promotionskolleg Nordrhein-Westfalen ein Go, daraus eine Promotionsarbeit zu machen: Im Sinne experimenteller Archäologie führe ich eine testweise Idealtypenformulierung durch, die ich dem Sozialtheoretiker Max Weber via fingiertem Forschungsbericht in 10 Briefen berichte.

Im Weberprojekt arbeite ich mit der Vorstellung, die 2012 bis 2019 entstandenen Studienarbeiten seien Feldexperimente, relational sicher überliefert in einem jahresweise geschichteten archäologischen Block, den ich rekonstruktiv auswerte. So gesehen gäbe es ohne Feldexperimente die Briefprojekte an Stumpf und Freud nicht, obwohl sie durchaus für sich stehen.

Der Parsonsbrief entstand 2019, aus damaliger Sicht rein zufällig, entsprechend einem spontanen Einfall als Studienarbeit. Dass der Professor, dem ich sie abgab, sie sehr erfreulich kommentierte, hatte Primingfunktion für den Forschungsbericht an Weber. An dem begann ich explizit später zu arbeiten – implizit allerdings nachweislich schon einige Zeit vor dem Brief an Parsons. Die Briefe an Stumpf 2024 und Freud 2026 wiederum sind Spin-offs, die aus gegebenen Anlässen als eigenständige Projekte entstanden; beide basieren auf Überlegungen und Erkenntnissen des laufenden Weberprojekts.

Forschungsphasen des Weberprojekts: Feldforschung, Rekonstruktion, Promotion

Das Weberprojekt verläuft insofern in Phasen, als dass drei Produktionszwecke mit je eigenen, komplexen Bedingungen ineinandergreifen: Die Phase Feldforschung absolvierte ich als von Beurteilungen Lehrender abhängige Studierende; die Phase Rekonstruktion des mir spontan in den Sinn gekommenen Idealtypus Aufklärer begann ich institutionell ungebunden aus in Feldexperimenten erkennbaren Vorüberlegungen; die Phase Promotion erhöht den Qualitätsanspruch auf das Rekonstruktionsprojekt hilfreich.